Wie viel für die Rente sparen als Selbstständiger? Faustregeln & Rentenlücke 2026
Wie viel Selbstständige monatlich für die Altersvorsorge zurücklegen sollten: die 15-20-Prozent-Faustregel, wie du deine Rentenlücke abschätzt, warum sie bei Selbstständigen größer ist und warum der Startzeitpunkt fast alles entscheidet. Informativ, ohne Anlageberatung.
Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2026
Die kurze Antwort vorweg
Als grobe Orientierung nennen viele Fachquellen eine Sparquote von 15 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens für die Altersvorsorge. Für Selbstständige liegt der sinnvolle Wert eher am oberen Rand oder darüber — weil sie in der Regel keine oder nur wenig gesetzliche Rente aufbauen und keine Betriebsrente haben. Das ist eine Faustregel, kein persönlicher Rat: Deine tatsächliche Sparrate hängt von deiner Zielrente, deinem Startalter, dem vorhandenen Vermögen und deinem Einkommen ab.
Was ist die Rentenlücke — und warum ist sie bei Selbstständigen größer?
Die Rentenlücke (auch Versorgungslücke) ist die Differenz zwischen dem monatlichen Einkommen, das du im Ruhestand brauchst, und dem, was gesetzliche oder andere Renten tatsächlich zahlen. Bei Angestellten füllt die gesetzliche Rente zumindest einen Teil dieser Lücke. Das gesetzliche Rentenniveau liegt 2026 bei 48 Prozent und wird per Haltelinie bis 2031 auf diesem Wert gehalten — das bedeutet vereinfacht, dass die Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum Durchschnittsverdienst rund 48 Prozent des aktuellen Durchschnittslohns beträgt (Standardrente zum 1. Juli 2026: rund 1.913 Euro brutto, Deutsche Rentenversicherung).
Für die meisten Selbstständigen ist genau das der Knackpunkt: Sie zahlen häufig gar nicht oder nur wenige Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung ein und haben keine Betriebsrente. Ihre gesetzliche Rente ist damit oft gering — oder es gibt sie schlicht nicht. Ein Solo-Selbstständiger ohne eigene Einzahlungen steht im Alter also vor einer Lücke, die nahe an 100 Prozent seines Bedarfs heranreichen kann. Diese Lücke musst du vollständig aus eigener Vorsorge decken.
Schritt 1: Wie viel brauchst du im Alter? (Die 80-Prozent-Regel)
Bevor du eine Sparrate festlegst, brauchst du ein Ziel. Eine verbreitete Faustregel ist ein Nettobedarf von rund 80 Prozent deines letzten Nettoeinkommens. Der Gedanke dahinter: Im Ruhestand fallen einige Ausgaben weg — allen voran das Sparen für die Altersvorsorge selbst, oft auch berufsbedingte Kosten oder ein abbezahltes Eigenheim. Ein Beispiel:
- Heutiges Nettoeinkommen: 3.000 € im Monat
- Angenommener Bedarf im Alter (80 %): 2.400 € im Monat
- Erwartete gesetzliche/sonstige Rente: 400 € (Beispiel für wenige Einzahljahre)
- → Rentenlücke: rund 2.000 € im Monat, die aus eigener Vorsorge kommen muss
Die 80 Prozent sind bewusst nur ein Startwert. Wer im Alter viel reisen möchte, mit höheren Gesundheitskosten rechnet oder zur Miete wohnt, sollte eher mehr ansetzen. Wer eine abbezahlte Immobilie und einen genügsamen Lebensstil hat, kommt womöglich mit weniger aus. Wichtig ist, dass du eine konkrete Zielzahl in heutiger Kaufkraft hast.
Schritt 2: Die Inflation nicht vergessen
Der häufigste Fehler bei der Altersvorsorge ist, die Inflation auszublenden. Über Jahrzehnte entwertet die Teuerung die Kaufkraft erheblich. Ein einfaches Beispiel bei angenommenen 2 Prozent Inflation pro Jahr:
| Zeithorizont | Kaufkraft von heute 2.000 € |
|---|---|
| in 10 Jahren | entspricht ~1.640 € heutiger Kaufkraft |
| in 20 Jahren | entspricht ~1.350 € heutiger Kaufkraft |
| in 30 Jahren | entspricht ~1.100 € heutiger Kaufkraft |
Umgekehrt heißt das: Wer in 30 Jahren die Kaufkraft von heute 2.000 € erreichen will, muss nominal deutlich mehr ansparen. Deshalb solltest du deine Zielrente immer in heutiger Kaufkraft denken und bei der Sparrate einen Puffer für die Teuerung einplanen. Genau diese Umrechnung nimmt dir ein Rechner ab.
Schritt 3: Wie hoch die Sparrate ausfallen sollte
Aus Zielrente, Startalter und angenommener Rendite ergibt sich die nötige Monatsrate. Statt einer Pauschalzahl helfen wiederkehrende Faustregeln, die du an dein Alter anpasst:
| Startalter | Oft genannte Orientierung (Anteil Nettoeinkommen) |
|---|---|
| ab Mitte 20 | ca. 10-15 % — der frühe Start wirkt am stärksten |
| ab Mitte 30 | ca. 15-20 % |
| ab Mitte 40 | eher 25-30 %, um den späteren Start auszugleichen |
Diese Werte sind bewusst Spannen, keine Punktlandung. Sie zeigen vor allem eines: Der Startzeitpunkt ist der mit Abstand größte Hebel. Durch den Zinseszinseffekt muss ein 25-Jähriger für dasselbe Endkapital oft nur rund halb so viel monatlich zurücklegen wie jemand, der mit 35 beginnt. Wer erst spät dran ist, kann das fast nur über eine höhere Sparrate ausgleichen — nicht über eine höhere erhoffte Rendite, denn die lässt sich nicht erzwingen.
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Die Frage „wie viel“ hängt eng mit dem „womit“ zusammen, denn verschiedene Wege haben unterschiedliche Kosten, Steuereffekte und Flexibilität. Die gängigen Bausteine für Selbstständige:
- ETF-Sparplan im eigenen Depot: flexibel, kostengünstig, jederzeit verfügbar und vererbbar — aber ohne Sofort-Steuervorteil. Wie das im Detail funktioniert, steht im ETF-Sparplan-Ratgeber.
- Rürup-/Basisrente: hoher Steuerabzug in der Ansparphase, dafür stark gebunden (keine Einmalauszahlung). Details im Ratgeber zur Rürup-Rente.
- Gefördertes Altersvorsorgedepot ab 2027: beschlossen und ab 1. Januar 2027 erstmals auch für Selbstständige offen — bis zu 540 € Grundzulage im Jahr. Die Regeln stehen im Ratgeber zum Altersvorsorgedepot 2027.
- Notgroschen zuerst: Bevor du langfristig bindest, sollte eine Liquiditätsreserve stehen — sonst musst du im schlechtesten Moment an die Altersvorsorge.
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Was Selbstständige zusätzlich beachten sollten
Anders als Angestellte haben Selbstständige schwankende Einnahmen. Eine starre, hohe monatliche Sparrate kann in schwachen Monaten zum Problem werden. Praktische Konsequenzen, die in der Fachliteratur immer wieder auftauchen:
- Flexibilität einplanen: Ein Teil der Vorsorge sollte pausierbar oder anpassbar sein (etwa ein ETF-Sparplan), statt alles in stark gebundene Verträge zu stecken.
- Reihenfolge beachten: Erst Notgroschen, dann laufende Absicherung (z. B. Berufsunfähigkeit), dann die langfristige Altersvorsorge — eine BU nützt nichts mehr, wenn die Arbeitskraft schon weg ist.
- Gute Jahre nutzen: In einnahmestarken Jahren lohnt es sich, mehr zurückzulegen oder den Steuervorteil der Basisrente gezielt einzusetzen — das ist aber eine Steuerfrage für den Einzelfall.
- Regelmäßig überprüfen: Zielrente, Sparrate und Rentenlücke einmal im Jahr neu durchrechnen, weil sich Einkommen, Inflation und Lebensplanung ändern.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent des Einkommens sollte ich als Selbstständiger für die Rente sparen?
Als grobe Orientierung nennen viele Fachquellen 15 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens, die langfristig in die Altersvorsorge fließen sollten. Wer erst spät anfängt (etwa ab 45), muss eher 25 bis 30 Prozent anpeilen, um denselben Kapitalstock zu erreichen. Das sind Faustregeln, keine individuellen Empfehlungen — deine konkrete Sparrate hängt von Zielrente, Startalter, vorhandenem Vermögen und Einkommen ab.
Wie groß ist die Rentenlücke bei Selbstständigen?
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das du im Ruhestand brauchst, und dem, was gesetzliche oder sonstige Renten tatsächlich zahlen. Bei Selbstständigen ist diese Lücke meist besonders groß, weil viele gar nicht oder nur wenig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und keine Betriebsrente haben. Häufig deckt die gesetzliche Rente also nur einen kleinen Teil oder gar nichts ab — die Lücke musst du selbst schließen.
Wie viel Rente brauche ich im Alter?
Eine oft genannte Faustregel ist ein Nettobedarf von rund 80 Prozent deines letzten Nettoeinkommens, weil im Ruhestand einige Ausgaben wegfallen (etwa Altersvorsorge-Sparen oder berufsbedingte Kosten). Das ist nur ein Startwert: Wer im Alter reisen, die Immobilie abbezahlt oder höhere Gesundheitskosten hat, kommt auf andere Zahlen. Rechne den Wert für dich durch, statt ihn zu übernehmen.
Wie stark entwertet die Inflation meine Altersvorsorge?
Deutlich. Inflation senkt die Kaufkraft über Jahrzehnte spürbar: Was heute 2.000 Euro wert sind, entspricht bei 2 Prozent jährlicher Teuerung in 30 Jahren nur noch rund der Kaufkraft von etwa 1.100 Euro. Deshalb solltest du deine Zielrente immer als Kaufkraft von heute denken und die Sparrate entsprechend höher ansetzen — nominale Zielbeträge ohne Inflationsgedanken führen fast immer zu einer zu kleinen Reserve.
Wie hoch ist das gesetzliche Rentenniveau 2026?
Das Rentenniveau liegt 2026 bei 48 Prozent und wird per gesetzlicher Haltelinie bis 2031 auf diesem Wert gehalten. Es beschreibt die Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum Durchschnittsverdienst im Verhältnis zum aktuellen Durchschnittslohn — die sogenannte Standardrente liegt zum 1. Juli 2026 bei rund 1.913 Euro brutto. Für die meisten Selbstständigen ist dieser Wert aber nur eine Referenz, weil sie gar keine 45 Jahre zum Durchschnittsverdienst einzahlen.
Lohnt es sich, früh mit dem Sparen anzufangen?
Ja, der Startzeitpunkt ist der stärkste Hebel überhaupt — stärker als die Anbieterwahl. Durch den Zinseszinseffekt muss ein 25-Jähriger für dasselbe Endkapital oft nur etwa halb so viel monatlich zurücklegen wie jemand, der erst mit 35 beginnt. Jedes Jahr früher wirkt überproportional. Wer spät dran ist, kann das nur durch eine deutlich höhere Sparrate ausgleichen.
Quellen u. a.: Deutsche Rentenversicherung & Bundesregierung (Rentenanpassung/Rentenniveau 2026), Verbraucherzentrale, allgemein anerkannte Vorsorge-Faustregeln. Stand Juli 2026 — Werte können sich ändern, bitte im Einzelfall offiziell prüfen.